Schön, dass du Teil von diesem Projekt bist.
Ich würde mich freuen, wenn du dich direkt einbringst und vielleicht kurz schreibst, was deine Gedanken zum psychischen Aspekt des Klimawandels sind. Das hilft mir, die passenden Inhalte zusammenzustellen und hilft anderen, sich nicht so allein zu fühlen.

„Oh seht uns an, wir stehen vor den Trümmern dieser Zivilisation.
Ein paar clevere Affen erfanden das Rad, hier kommt die letzte Generation,
Die noch ein bisschen menschenwürdig leben kann, die Gräber stehen bereit.
Und jeder sieht wie alles zusammenbricht, weil nichts unendlich steigt.
Und was mach ich, leb vor mich hin, versuch den Hass zu kontrollieren,
Und das Gewissen wird beruhigt, wenn wir hier artig Müll sortieren.“

Markus Wiebusch, 1991

Blog Comments

Ich war immer vergleichsweise entspannt, was den Klimwandel angeht. Ich dachte immer, dass es so schlimm schon nicht wird, und wenn doch, dass zumindest wir in Europa keine radikalen Auswirkungen spüren werden, nicht dass es das irgendwie besser macht, aber für mich persönlich schien das Thema weit weg genug um mich davon zumindest nicht psychisch zu sehr beeinflussen zu lassen. Das hat sich inzwischen geändert. Ich glaube, dass ich persönlich sehr viel davon mitbekommen werde, was genau passiert kann ich aber nicht einschätzen. Radikaler Kollaps in drei Jahren, falls sich die Arktikströme ändern oder stetige Verschlimmerung in den nächsten Jahrzehnten, das weiß ich nicht.
Für mich kam der Wendepunkt vor drei Jahren. Ich las einen Artikel von einer Klimaforscherin, die die Hoffnung schon komplett aufgegeben hatte. Ihr Hauptargument waren die großen Methanvorkommen in der Akrtis, die jederzeit freigelegt werden können und dann gibt es kein Zurück mehr und dann geht alles ganz schnell. In den Kommentaren versuchten viele Menschen zu argumentieren, warum es so schlimm nicht wird, aber sie hatte auf alles sehr gute belegte Antworten, warum es wirklich so schlimm ist, wie sie denkt. Sie gab der Menscheit noch maximal 30 Jahre. An dem Abend habe ich entschieden, dass ich keine Familie gründen will. Der Einfluss des Klimwandels auf mich perönlich ist also schon jetzt enorm.
Seitdem denke ich viel darüber nach, wie ich damit psychologisch umgehen kann. Ich habe einige Theorien und Methoden, die ich bisher aber immer für mich behalten habe, da ich nicht den Eidnruck hatte, dass es sehr viele Menschen auf einem so persönlichen Level betrifft, aber das stimmt nicht. Immer mehr erzählen mir, wie schlecht es ihnen geht, weil sie sich so um die Zukunft sorgen. Das ist natürlich schade, aber hat mich jetzt dazu bewogen, dieses Projekt zu starten. Denn der Austausch und das Gefühl, nicht allein zu sein hilft mir.
Trotz meiner eher pessimistischen Einstellung denke ich, dass es nicht richtig ist, jetzt schon um die Menscheit zu trauern oder mit Hass auf die Welt durchs Leben zu laufen. Ich glaube, man kann auch auf einer kranken Erde mental gesund sein. Und dass das nicht bedeutet, nicht aktiv zu werden.

Hallo Jan,
deine Idee den Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen resultierend aus den Gefahren des Klimawandels aufzubereiten finde ich toll. Ich nutze das Internet überwiegend als stille Mitleserin, da ich bisher noch kein Thema gefunden habe, das mich wirklich dazu nötigt mich einzubringen aber ich denke, deine Idee hat dafür Potential und einen Nerv bei mir getroffen.

Zu allererst fühle ich bei diesem Thema eine große Hilflosigkeit und Überforderung. Auch das Bedürfnis mich eher zurückzuziehen und den Kampf anderen zu überlassen, weil es schlichtweg so komplex ist und die Energiesparlampe, der Ökostrom oder der Kaffeebecher aus Bambus gefühlt so rein gar nichts ausrichten können gegen die immensen Veränderungen, die uns bevorstehen. Ich persönlich kann diese Veränderungen direkt erleben in meinem großen Garten. Insbesondere am Vogel- und Insektenbestand aber auch am Pflanzenwachstum (gerade im Sommer 2018) lassen sich Veränderungen direkt sehen und erleben.
Mir geht es wie dir. Auch ich habe beschlossen keine Familie zu gründen, weil ich ehrlich gesagt sehr pessimistisch bin und glaube, dass diejenigen, die wirklich große Entscheidungen voranbringen könnten (Personen in Wirtschaft, Lobby und Politik) den Planeten lieber bis zum letzten Krümel ausbeuten, damit der Lebensstandard so lange wie irgend möglich gehalten werden kann. Weiterhin denke ich, dass die Mehrheit der Menschen sich zwar für ökologisch und nachhaltig hält aber in Wirklichkeit nicht bereit ist Einbußen hinzunehmen, die auch wehtun könnten. Egal ob man weniger bequem lebt oder finanziell etwas abgeben muss. Ich kann eine Mutterschaft einfach nicht verantworten mit solchen Aussichten und ich glaube auch nicht daran, dass die folgenden Generationen in der Lage sein werden unsere Versäumnisse doch noch irgendwie wieder gut zu machen.

Dieses Thema berührt uns in so ziemlich jedem Lebensbereich. Hier einfach ein paar Anregungen, die du nutzen kannst für evt. Themenkomplexe.

Wie lässt sich diese gefühlte Hilflosigkeit bekämpfen? Was kann ich tun um den Pessimismus zu verringern?
Welcher Lebensstil hat wirklich nachhaltige Auswirkungen auf das Klima?
Ist „Keine Kinder für das Klima“ wirklich eine Lösung? Ist das ethisch und moralisch vertretbar? Aber hat denn dann überhaupt noch irgendetwas Sinn?
Wozu arbeiten? Warum ein Haus bauen? Wieso sich aktiv zivilgesellschaftlich engagieren, wenn immer und immer wieder wirtschaftliche Interessen vor ökologischen durchgesetzt werden?
Oder den Planten lieber noch 50 Jahre runterrocken und dann hoffen, dass man die Auswirkungen selbst nicht mehr erlebt? Fette Abrissparty bis zum Schluss?
Welche Medien sollte man nutzen, um sich möglichst unemotional und faktenbasiert mit dem Thema zu beschäftigen?
In welche Vereine kann man guten Gewissens eintreten, wenn man sich engagieren will?

Und generell. Wie bleibt man bei all dem Wahnsinn um sich und der Wut in sich überhaupt mental gesund?

Die Antwort darauf ist sicher so individuell wie jeder Mensch aber das sich bewusst machen, welche Möglichkeiten man hat, ist doch schon ein erster Schritt.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Vorhaben und würde mich freuen, bald wieder etwas von hier zu lesen.

Als Mutter ist der Klimawandel ein doppelt bedrohliches Thema. Wäre ich alleine, wäre ich fatalistischer, vl. hedonistischer. Gerne würde ich so tun als würde alles wieder von alleine in Ordnung kommen, einfach mit dem Leben so weitermachen wie bisher. Auch weil ich anscheinend immer noch mit allerlei Ego zu kämpfen habe (farewell Ego an dieser Stelle). Auf der anderen Seite ist mir in den vergangenen Jahren unsere Endlichkeit, unsere Verletzlichkeit, unsere Widersprüchlichkeit, unsere Schwäche, unser Machtstreben und die wahnsinnige Überheblichkeit von uns Menschen bewusst geworden mit der wir hier auf der Erde wandeln. Ich glaube nicht mehr an irgendein „Gutes“ im Menschen und ich sehe sowohl die Macht und die Machtlosigkeit des Einzelnen, unsere Manipulierbarkeit, die Stärke und Schwäche zugleich ist. Und genau deshalb ist die Psyche und unsere mentale Verfassung (und deshalb genau dein Projekt) von großer Relevanz. In unserer Zeit geht es nur um Angst, Angst überall, Angst vor allem, wegen allem. Überall Szenarien, wie die Welt aussieht wenn sie untergeht. Wenn Kriege ausbrechen, Hungersnöte, Wasserspiegel steigen etc. etc. Und neben der Angst ist da noch Hoffnung. Allerdings muss ich ganz harsch sagen, die Hoffnung beinhaltet immer ein Vielleicht. „Vielleicht wird doch alles gut.“ Vielleicht. Und damit ist der Zweifel immer noch da. Ich glaube, das ist scheiße zum kämpfen. Es ist besser in einen Kampf zu gehen und zu sagen, wir werden ihn gewinnen. Vielleicht halten wir zwar den Klimawandel nicht auf, aber wir werden die Lügen stoppen, wir werden den Kampf für unsere Erde gewinnen. Auf ganz persönlicher Ebene habe ich für mich den Beschluss gefasst, mein Denken radikal zu ändern. Mir Visionen zu erlauben, mir träume zu erlauben, mir radikal eine eigene Welt erschaffen und mir die Erlaubnis dazu zu geben. Alle anderen Diskussionen werden zu Grabenkämpfen, die mich unheimlich viel Energie kosten und am Ende: Angst nähren. Ich denke, als sinnvollen Schritt nach einer Vereinigung und dem Austausch über Angst, muss an ihre Stelle etwas neues treten. Eine Neuvernetzung unserer Synapsen, die sich im Äußeren manifestiert. Wenn wir durch die Angst hindurch treten, kommt Stärke. Ja, wir nehmen es mit allem auf. Ja, wir haben die Kraft (und die Menschheit hat diese Kraft) sich neu zu erfinden. Wir müssen vorher aber einige Ärsche treten. Und wir müssen dazu viele sein. Wir müssen zu Kriegern werden. Und dazu gehört auch manche Emotionen kaltzustellen. Und auch dem eigenen Tod in die Augen zu sehen. Ja, wir müssen alle sterben. Lasst uns beginnen.

mega schön! kann mich sehr mit deinem text identifizieren – ja, es wird ziemlich anstrengend. aber ja, es ist möglich. punkt. zu diesem zeitpunkt ist der ausgang eben noch vollkommen offen und wenn ich sehe, wie extinction rebellion nach circa 1-jährigem bestehen bewirkt hat, dass großbritannien den klimanotstand ausruft – hallo! änderungen sind möglich. das kann ja gerade erst der anfang sein 🙂

Ich beginne den Text zu tippen und schon währenddessen überkommt mich dieses Gefühl, dass ichs auch sein lassen könnte, weil man als einzelner ja am Ende doch nix bewegen kann. Das Gefühl von Ohnmacht ist so präsent für mich, denn ich sehe tausende von Ansatzpunkten, was wir Menschen besser machen könnten ohne dabei wirklich nennenswerte Einbußen in unserer Lebensqualität zu verzeichnen und doch geht es eben weiter – Es wird Politik für Konzerne und Reiche gemacht, statt für den kleinen Mann oder den Planeten auf dem wir leben. Es wird an den (unnötigen) Luxus von heute gedacht und nicht an das Leben, das unsere Kinder oder Enkel mal führen werden.
Und da kann ich mir gleich die nächste Frage stellen – Will ich Kinder in diese Welt setzen, in der so vieles so ungewiss ist? Kann ich das überhaupt verantworten? Kürzlich war ich auf der fridays for future-Demo in Hannover. Und während ich da lief, zwischen all diesen Menschen, die im Schnitt wohl halb so alt waren wie ich, bekam ich eine Gänsehaut, weil es mich mit voller Wut überrannte: Die Erkenntnis, dass wir sehr offensichtlich gerade unsere Lebensgrunlage zerstören. Ich kenne mich aus mit Angst, denn mich begleitet schon seit einigen Jahren eine generalisierte Angststörung. Aber all diese Ängste sind nichts, verglichen mit der, die entsteht, wenn man darüber nachdenkt, dass wir vielleicht bald einfach nicht mehr sind. Und der Weg dahin, der wird sicher auch nicht schön. Wetterextreme. Immer mehr unbewohnbare Gebiete auf diesem Planeten. Artensterben. Wo heute noch Luxus war, kann in 10/20/30 Jahren schon Mangel sein. Vielleicht dauert es länger, vielleicht geht es schneller. In jedem Falle sollten wir Menschen nicht so anmaßend sein zu denken, dass es uns nicht tangiert oder uns „zumindest als letzte erwischen wird“. Ich frage mich immer wieder, wie man immer noch ignorant sein kann. Meine Hoffnung ist, dass wir hier noch irgendwas bewegen können. Keine Ahnung, ob man den Planeten retten kann. Aber ich will mir zumindest nicht vorwerfen müssen, nichts versucht zu haben.

Ich bin mit einer typischen 80er-Ökomama aufgewachsen, deshalb waren Themen wie Umweltschutz, Artenvielfalt, Energiesparen oder auch Atomaustieg immer präsent in meinem Leben. Trotzdem hab ich erst in den letzten Jahren auch für mich begriffen, wie wichtig das Thema ist und meinen Alltag dahingehend angepasst, mehr auf meinen Konsum geachtet usw. Bei mir kam der Wendepunkt hin zu Panik-Mode mit einem Bericht über die Permafrostböden, die beim auftauen riesige Mengen CO2 freigeben werden.

Der Klimabericht vom letzten Jahr hat das noch verstärkt. Bei mir ruft das Thema sehr viele Gefühle hervor: Panik und damit einhergehend das Bedürfnis, mich nicht damit zu beschäftigen, sondern es zu ignorieren, um nicht durchzudrehen. Aktivismus und der Wunsch, andere zum handeln zu bewegen. Wut und Ohnmacht angesichts dessen, dass die Politik nichts tut und ich oft noch die Einzige bin, die sich zb in einer Runde vegan ernährt. Und ein gewisses Gefühl von bitterer Überlegenheit, weil ich den Menschen sage „Irgendwann sind wir nicht mehr die Komischen, sondern die Vorreiter gewesen“, aber dann wird es zu spät sein, also bringt mir dieses Gefühl keine Freude. Und Trauer, weil ich so gerne optimistisch wäre, aber das nicht mehr schaffe angesichts des Klimawandels. Alles in allem ein unguter Cocktail und ich freu mich sehr über Strategien, um nicht durchzudrehen und noch ein bisschen gemeinsam die Zeit auf dieser Erde zu genießen.

Ich bin ebenfalls Mutter von zwei Kindern und ich bekomme teilweise Panik Attacken, wenn ich daran denke, dass diese wundervollen Wesen vielleicht keine Zukunft mehr haben. Wenn ich sehe wie sie behütet aufwachsen und sich prächtig entwickeln…Und dann daran denke, dass sie in 30 Jahren, wenn sie gerade mal so alt sind wie ich jetzt, wo ich jetzt erst so richtig meine Leben zu lieben und genießen gelernt habe, schon unter ganz anderen Umständen leben müssen. Das bricht mir das Herz und lässt eine große Verzweiflung in mir aufkommen. Leider habe ich mich auch erst mit dem Thema Umwelt so richtig auseinander gesetzt seit ich Kinder habe. Wenn ich jetzt, mit meinem aktuellen Wissensstand, noch keine hätte würde ich wohl auch darauf verzichten welche zu bekommen. Was ich auch mit unter sehr schwer finde ist die Konfrontation mit der älteren Generation. Meine Eltern zb sind noch so auf gewachsen, dass sie kräftig mit anpacken mussten auf dem Hof. Da gab es nur hin und wieder zu besonderen Anlässen Schokolade und die einzige Plastik Puppe die sie hatten saß bei der Oma auf dem Bett und durfte nicht angefasst werden. Für die ist das nicht so nachvollziehbar, wie dieser ganze Fortschritt heut zu Tage so schlecht sein kann. Es ist einfach ermüdend immer der Moral Apostel zu sein und dennoch ist es auch so wichtig. Aber dann merke ich wie ich überall nur noch was zu meckern habe und so eine Person will ich dann natürlich auch nicht sein. Wenn du ein Baby bekommst siehst du die Menscheit noch mal mit anderen Augen. Denn wir kommen wirklich mit allem was wir brauchen auf diese Welt, sind von Grund auf mit Ur-Instinkten ausgestattet, die uns das Überleben ermöglichen(sollen)…Und da merkst du auch wie wir uns leider durch unsere „Intelligenz“ oder sagen wir unserem „Verlangen nach immer mehr Comfort“ immer weiter davon entfernt haben, von dem was wir wirklich sind. Kinder nein sogar am besten schon babies sollen von Anfang an getrimmt werden zu funktionieren und nicht zu leben! Da geht der Mist ja schon los. Und dabei zerstören wir noch unseren eigenen Lebensraum. Sorry aber da kann man doch nur wahnsinnig werden.

Als ich Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal in meinem Leben einen Vortrag halten durfte – meine Mitschüler der siebten Klasse werden sich wahrscheinlich kaum erinnern – sprach ich über die Abholzung des Regenwaldes, die Folgen auf das Klima und das einhergehende Artensterben. Ich war damals so berührt und gleichzeitig so verzweifelt „Warum geschieht nichts? Warum schauen alle nur zu? Warum greift niemand ein?“. Viele Jahre später studierte ich Ernährungswissenschaften und das einzige was mich interessierte waren die Auswirkungen, die unsere Ernährung auf den Planeten hat. Nährstoffe, Biochemie & Anatomie interessierten mich kein bisschen. Ich wollte mehr wissen, über das große Ganze, darüber, wie unsere Ernährung das Klima beeinflusst. Denn: ich kann meine Ernährung beeinflussen und kann so einen nicht unerheblichen Beitrag leisten. Ich wurde vegan, fürs Klima. Ich hörte auf Faifashion, Kosmetik und Einwegprodukte zu konsumieren. Heute bin ich auf dem Weg zu einem ZeroWaste leben, vermeide Plastik, habe mein Konto bei der GLS Bank und der Klimawandel ist, für mich, allgegenwärtig. Oft fühle ich mich verzweifelt, traurig und richtig depressiv. Dann lege ich den Fokus auf all die Menschen und Initiativen, die, genau wie ich, alles tun um etwas zu bewegen. Anfang des Jahres hab ich meinen Job gekündigt, weil ich es nicht mehr aushalte in der ‚Matrix‘. Arbeitskollegen, die sich freuen über Primark Schnäppchen und billiges Fleisch – dafür hab ich keine Zeit mehr. Ich möchte jetzt vollzeit die Welt retten. Es ist doch verdammt nochmal 2019! Ich fühle mich meiner Zukunft beraubt, ich fühle mich in meiner Freiheit massiv eingeschränkt. Noch profitieren wir von dem Lebensstil der Generationen vor uns, die gelebt haben als seien alle Ressourcen unendlich vorhanden. Aber wie wird das in der Zukunft sein? Haben wir eine Zukunft? Meine aktuell privateste & schwierigste Herausforderung: mein Mann wünscht sich Kinder und ich kann es mit meinem Gewissen kaum vereinbaren. To be continued..

Vom Klimawandel hatte ich zuerst vor mehr als 10 Jahren in der Schule erfahren. Damals wurde uns Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“ in der Aula gezeigt. Anscheinend hatte dies eine große Wirkung auf mich: Ich fuhr immer weniger (und irgendwann gar kein) Auto mehr oder achtete stärker auf stromfressende Geräte. Auf SUVs entwickelte ich damals einen richtigen Hass, der bis heute auch anhält. Gegenüber Freunden und Familie vertrat ich die Meinung, dass jeder von uns nur einen Lebensstil pflegen sollte, der auch für alle Menschen der Welt machbar wäre. Was das im Detail bedeutete, wie viel davon als Einzelner machbar wäre und ob ich das selber erfüllte (tat ich nicht) wusste ich damals nicht. Viel schlimmer fand ich allerdings die Reaktionen auf meine Meinung. Ich sei ein Gutmensch, ich würde mich selbst geißeln und als Weltretter aufspielen. Niemand in meinem Umfeld sah einen Grund, sich oder sein/ihr Verhalten zu ändern. Ich weiß mittlerweile auch, dass individuelle Änderungen nur Teil der Lösung sein können, aber niemals alleine ausreichen. Diese kognitive Dissonanz in meinem Umfeld (aber auch in der gesamten Gesellschaft) beschäftigte mich allerdings sehr.

Über die Jahre beschäftigte mich das Thema immer weniger. Ich glaube unter anderem deswegen, weil ich es so schwer ertragen konnte, wie ignorant hiermit umgegangen wurde. Ich redete mir ein, dass schon genug getan würde. Dass wir noch genug Zeit hätten, um das Problem in den Griff zu bekommen. Bis ich im September den großartigen, aber auch für mich extrem angsteinflößenden Artikel „Loosing Earth“ las und mich danach sehr, sehr stark mit dem Thema auseinander setzte. Die Situation erschien mir hoffnungslos. Ich versuchte das Thema bei Freunden oder Familie anzuschneiden, aber die meisten verstanden mich nicht. Als ich endlich mit einer Freundin darüber reden konnte, die das Problem und meine Sorgen verstand, fühlte ich mich zumindest nicht mehr so alleine.

Mittlerweile nimmt das Thema Klimakrise in meinem Leben einen sehr großen Platz in meinem Leben ein. Ich schraube stetig an meinem individuellen Fußabdruck, rede darüber wann immer ich kann, informiere mich täglich über das Thema und bringe mich bei der klimaaktivistischen Bewegung Extinction Rebellion ein. Das ist für mich kräfteraubend und mich holt das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und dass sowieso schon alles zu spät wäre immer mal wieder ein. Aber solange es noch die Möglichkeit gibt das Ruder herumzureißen halte ich es für richtig, alles dagegen zu tun, was ich kann. Das Gefühl zu haben, aktiv etwas gegen den ökologischen Kollaps zu unternehmen, hilft mir auch sehr. Ignorieren kann ich das Thema jedenfalls nicht mehr.

Einen Weg suchen und finden sich die Energie zu bewahren es richtig machen zu wollen (was immer das im Detail bedeutet) und andere positiv anzustecken ihr Leben und Wirken zu prüfen und an ihrem Verhalten arbeiten zu wollen. Einerseits fröhlich zu bleiben und andererseits den nötigen Ernst täglich begreifen und auch vermitteln. Wie abgrenzen von Mitmenschen, die offenbar Geiz immer noch geil finden, und das auch noch auf Kosten anderer Menschen und Lebewesen. So im Groben.

Ich habe das potentiell apokalyptische Ausmaß des Klimawandels letzten Herbst verstanden und fiel und fiel und hatte Angst. Ich habe ja schon zwei kleine Kinder, aber ohje, was war ich außer mir, dass wir sie in die Welt gebracht haben! Und warum tut eigentlich irgendjemand etwas anderes, als diesen Zug zu stoppen? Auf einmal hatte sich mein Blick auf die Welt massiv verändert. Ich rätsel noch heute, was eine angemessene Reaktion auf diese Erkenntnis ist.
Insofern holt der Blog mich gut ab.
Inzwischen orientiere ich mich daran, das dies hier unser Leben ist – mit unseren Grundbedingungen, unsere Erfahrungen zu machen. Wir können sie verfluchen, das ändert aber nichts. Der Tod ist Teil des Lebens. Schmerzlich ist vor allem, dass wir diesen zauberhaften Planeten zu einer solchen Verwandlungskur „zwingen“. Dennoch sind auch wir Menschlein ja ein Teil Natur, und können am Ende gar nicht anders, als eben unseren Weg zu gehen.
Es ist aber schon Wahnsinn, dass zu fassen! Also ist seitdem die Pflege meiner seelischen Gesundheit jeden Tag wichtig für mich.
Ich würde mich freuen, hier eine Austausch dazu pflegen zu können und danke für die Initiative, uns hier zu verbinden.

Das für mich dominierende Gefühl, wenn ich über den Klimawandel und seine Folgen, (Nicht-)Beschlüsse von Regierungen und Studien lese ist am besten mit purer Fassungslosigkeit zu beschreiben. Fassungslosigkeit darüber, wie vor allem im Großen immer noch so drastisch weggeschaut werden kann. Ich selbst Versuche seit einem Jahr so gut es geht auf Plastik zu verzichten, kaum noch Fleisch zu essen und vor allem, nicht mehr unnötig viel zu konsumieren in egal welchem Lebensbereich. All das klappt Schritt für Schritt auch immer besser, allerdings frage ich mich jedes Mal wo die Grenzen von dem, was ich als einzelner leisten kann, muss und will zu ziehen sind. Wann und wie weit ist es okay, auch mal „egoistisch“ zu sein und beispielsweise „Fast Fashion“ zu kaufen weil es einem einfach besser gefällt oder einfach eine Mango zu essen weil man gerade Lust darauf hat? Es geht eben beim Einzelnen um diese kleinen Dinge. Der Gedanke mich hier einzuschränken stört mich nicht, nur die Tatsache, dass ich mir Gedanken mache und viele andere, ob aus dem Umfeld oder im Großen auch Konzerne, darüber komplett hinwegsehen und es mir und anderen auch noch schwerer machen. Das, was aus dem Klimawandel psychisch für mich am meisten erwächst, ist eine ganz grundlegende Sinnkrise bei der man automatisch danach fragt, was die Träume und Pläne die man für seine Zukunft hat noch wert sind, wenn es letztlich um die Frage geht, ob man in 30 Jahren überhaupt noch auf dieser Welt leben kann ohne einfach nur zu überleben. Beim Thema Klimawandel zeigt sich für mich, wie unmenschlich das Handeln in unserer Welt ganz allgemein strukturiert ist und wie wenig dadurch Mitmenschlichkeit zählt.

Nachdem ich vor einigen Jahren eine Dokumentation über den Plastikmüll in unseren Meeren und das elendige Sterben der Seevögel und Wale sah, begann ich, mich mit dem Thema ZeroWaste zu beschäftigen. Nach und nach reduzierten wir Plastik, ernährten uns Bio, konsumierten weniger Fleisch – und das auch nur von uns bekannten totgestreichelten Tieren, unser Lebensstil wird zunehmend minimalistischer, aber noch lange sind wir nicht da, wo wir uns zu sein wünschen. Zum Glück waren mein Mann und ich uns von Beginn an einig, keine Kinder in diese Welt zu setzen, was es irgendwie leichter macht, das Sterben dieser Welt mitanzusehen. Ich gebe zu, ich schwanke immer wieder zwischen dem Gefühl von Entsetzen, aber dann auch wieder dem Gedanken „Nach mir die Sintflut“; wenn ich Glück hab, werd ichs nicht mehr erleben und dann kann’s mir doch auch egal sein. Aber so will ich eigentlich nicht denken. Wenn ich die Natur sehe, die so unfassbar perfekt zusammenspielt und so unglaublich schön ist, ergreift mich die Wut, dass der Mensch, der sich doch für so erhaben und intelligent hält, dies einfach mit einem Fingerschnipsen zerstört. Und warum? Für Geld, dass er nicht ins Jenseits mitnehmen kann, für seinen vermeintlichen Komfort, für den unzählige Sklaven ihre Köpfe hinhalten. Ich bekomme eine Gänsehaut bei all dieser Ignoranz. Begreift den niemand, dass die Welt ein geschlossenes System ist? Was ich an einem Ende der Welt bewirke, wird unvermeidlich die Erde umkreisen und irgendwann wieder bei mir ankommen! Das kann man doch nicht ignorieren?!? Das Wasser, das ich verschmutze, muss ich doch irgendwann selbst trinken, die verpestete Luft doch selbst wieder einatmen?!?! Aber wenn ich so etwas in meinem Umfeld sage, nicken mir alle bekräftigend zu, meist kommt der Satz: „Ja, aber in Deutschland läuft ja alles noch ganz gut. Die USA müssen erstmal anfangen. Solange die nichts machen, ist sowieso alles egal.“ Dann drehen sie sich um und schnipsen ihre Zigarette in den nächsten Gully….

Ich will nicht abstumpfen und das alles so hinnehmen, aber es fühlt sich an wie ein Kampf gegen Windmühlen. Vielleicht ist es gut, dass sich die Erde irgendwann von dem Ungeziefer „Mensch“ befreien wird und endlich wieder aufatmen kann. Ja, das ist zynisch, aber was ist die Alternative?

Auf das ganze Thema habe ich einen sehr positiven, vielleicht etwas zynischen oder verklärten und doch irgendwie rationalen Blick. Angefangen hat es bei mi in der neunten Klasse, mein Freund war kurz zuvor Veganer geworden, ich hatte mich damit noch nicht so richtig befasst. Wir hatten in der Schule einen Vortrag über Klimawandel, Ökologischen Fußabdruck, Nachhaltigkeit, den ganzen Kram. Multivision hieß der Vortrag und im Abspann lief „Deine Schuld“ von den Ärzten. Ich fühlte mich zugleich hintergangen und aufgeklärt, war erschüttert über das, was mir bisher nicht klar war und was auch niemand je wirklich thematisiert hatte und als ich nach Hause kam, sagte ich meiner Mutter, dass ich ab jetzt vegan leben will. Sie bat mich, mit ihr noch den Käse und die Eier leer zu machen, die im Kühlschrank waren, da sie sonst verderben würden und überließ die Herrschaft über die Küche dann mir. Ich hab also seitdem für sie und mich vegan gekocht, nach einer Weile wurde sie Vegetarierin, jetzt beinahe Veganerin.
Zu der Zeit war ich noch sehr radikal und auch missionierend. Ich wollte meine Lebensweise ohne Tierprodukte, mit weniger Strom- und Wasserverbrauch, mit mehr Bewusstsein für die Umwelt an alle in meinem Umfeld heran tragen… und ging damit allen auf den Keks. Zugegeben, ich habe viel kritisiert und bemängelt und mehr angemerkt was falsch ist und nicht, was bereits richtig gemacht wird. Seitdem ist einige Zeit vergangen und ich bin entspannter geworden. Manchmal muss man ein bisschen von seinen Überzeugungen zurück halten, um noch sozial eingebunden zu sein, aber für mich selbst wurde ich immer radikaler, auch wenn mir das oft lange nicht auffiel. Seit ich alleine wohne, bin ich nahe bei Zero Waste, stelle vielleicht einmal im halben Jahr einen halben Gelben Sack raus, weil ich einfach lieber auf dem Markt und im Unverpackt Laden einkaufe. Aufgefallen ist mir das erst, als ich mit Freunden einkaufen war und im Einkaufskorb so viel Plastik gelandet ist, wie ich in mehreren Monaten nicht habe. Nachhaltige Lebensweise ist für mich irgendwann so logisch geworden und so simpel, dass ich sie einfach in meinem Alltag umsetze, ohne groß darüber nachzudenken. Es belastet mich nicht, ich verzichte nicht auf Dinge und habe auch nicht das Gefühl, mir selbst etwas vorzuemnthalten. Ich glaube eher, dass es mir sehr viel bringt, weil ich Frieden darin finde.

Nun also zu dem, was wirklich wichtig ist: wie schaffe ich es, bei dem Klimachaos so ruhig, gelassen und zufrieden zu sein?
1. Ich bin mit mir selbst zufrieden.
Ich weiß, dass es ein Problem gibt und ich weiß, woher es kommt. In meinem Alltag, eigentlich meine gesamten Leben versuche ich besten Wissens und Gewissens, nicht Teil des Problems zu sein. Für mich bedeutet das: keine Tierprodukte, wenn überhaupt faire Kleidung kaufen, Zero Waste, regional und saisonal einkaufen, Energie sparen und das alles, soweit es mir gut tut und machbar ist, ohne, dass ich darunter leide. Für andere mag das andere Ausmaße haben und es ist nicht an mir, darüber zu werten. Ich muss nur für mich wissen, dass ich mein Bestes gebe, um nicht zum Problem zu gehören.

2. Ich bin der Tropfen im Ozean
Klingt blöd, aber ich denke dabei gerne an einen Dialog aus Cloud Atlas. „Es ist nur ein Tropfen in einem riesigen Ozean.“ – „Was ist ein Ozean, wenn nicht eine Vielzahl von Tropfen?“. Dieser Gedanke gibt mir Kraft und ermutigt mich, auch andere auf ihrem Weg, weniger Teil des Problems zu sein, zu unterstützen. Ich mache das allerdings sanfter, mit mehr Verständnis und vor allem Akzeptanz für die aktuelle Situation und mehr begleitend als führend. Ich glaube, dadurch, dass man anderen etwas positiv und begeistert vorlebt, kann man mehr erreichen, als mit Tadel.

3. Ein bisschen Ignoranz schadet auch nicht.
Wir (Menschheit) denken so viel und so oft darüber nach, dass wir dem Planeten schaden, dass wir der Umwelt schaden, dass wir dem Klima und den Tieren schaden, aber das stimmt gar nicht. Die Umwelt wird es immer geben, der Planet hat schon Schlimmeres überstanden. Das Klima hat sich immer gewandelt und es sind auch immer Tierarten ausgestorben, neue dazu gekommen, Tiere haben sich gegenseitig gefressen, haben gelitten und ich glaube nicht, dass sich die Kuh in der Milchfabrik oder das Schwein auf der Schlachtbank bei naturbedingtem Leid oder Tod besser gefühlt hätte. Wem wir schaden, das sind wir selbst. Es ist schon schön blöd für eine Art, den eigenen Lebensraum derart zu beeinflussen, dass er nicht mehr lebensfreundlich ist. Wir stellen uns über andere Lebewesen und haben die Möglichkeit, sie nicht für uns leiden und sterben zu lassen, ohne, dass wir dadurch große Einbußen haben, weshalb wir meiner Ansicht nach auch die Verpflichtung dazu haben, aber letztlich sind die (meines Wissens nach) Einzigen, die darüber nachdenken, was wir tun und es auch global bewerten, wir selber. Wir brauchen uns gar nicht so wichtig nehmen, wir machen ja nichts außer uns dauerhaft kaputt. Und genau das sollten wir tunlichst lassen, womit ich wieder bei Punkt 1 und 2 bin. Da jeder von uns Teil dieses Wir ist, ist es auch an jedem von uns, diesen Lebensraum zu erhalten.

Das ist also meine Einstellung dazu, die ich mir immer wieder bewusst mache, wenn ich mich über „die Politik“ ärgere, die nichts tut, denn letztlich schafft man das nicht alleine sondern nur gemeinsam und „die Politik“ ist ebenfalls Teil des Wir. Wenn jeder von uns also ein bisschen weniger Teil des Problems und mehr Teil der Lösung ist, das positiv lebt und weitergibt, auffordernd und ermutigend zeigt, dass es geht, dann kommt es auch „oben“ an, dann ändert sich was. Und wenn nicht, weiß ich immerhin, dass ich mein Bestes gegeben hab.

Vielen Dank für deine Tipps-ich werde versuchen, das ähnlich zu sehen, ich glaube, das wird helfen!

Ein toller Beitrag und eine tolle Einstellung!

Wow! Es für ein inspirierender Beitrag! Danke!!

Wenn ich das hier lese, denke ich, dass wir, die Schreiber*innen auf dieser Seite, den ersten wesentlichen Schritt schon getan haben. Statt uns weiter einreden zu lassen, dass wir als einzelen Konsument*innen nur besser informiert unsere Kaufentscheidungen treffen müssen, geben Menschen hier zu, dass es sie beunruhigt, bedrückt und zornig macht, wie wenig wir allein tun können. Aber es ist ja auch gelogen: Niemand ist allein für das Elend dieser Welt verantwortlich, nicht einmal diejenigen, die viel mehr Macht haben als wir. Und niemand kann diesen Irrsinn alleine aushalten und aufhalten. Ich kann sehr gut verstehen, dass sich Menschen gegen die Gründung einer Familie entscheiden, dass manche auch mal das Gefühl haben, dass Pläne machen doch eh nichts mehr bringt. Mir geht es auch manchmal so, und oft aber auch nicht. Denn zwei liebe Menschen, die jahrelang mit tödlichen Krankheiten gelebt haben, haben mich da viel gelehrt: Auch wenn du morgen tot sein könntest, ist niemandem damit geholfen, wenn du heute schon dauernd darüber nachdenkst. Damit verschwendest du nur die Lebenszeit, in der es noch gut sein kann.
Manchmal habe ich das Gefühl, die Menschheit leidet an so einer tödlichen Krankheit. Man muss alles versuchen, um sie zu behandeln, denn Aufgeben gildet nicht. Aber es ist genauso wichtig, das, was jetzt ist, zu genießen. Und Lebensfreude hat ja zum Glück so wenig mit Konsum zu tun, dass man davon eher mehr hat, wenn man der Welt weniger schadet. Das schöne daran ist auch: Lebensfreude ist ansteckend; und es macht den weniger irrsinnigen Lebensstil auch für andere interessant.
Bevor das jetzt nach der perfekten Lösung klingt: Ich finde es immer wieder ganz schön anstrengend, nicht einfach mitschwimmen zu können. Oft wünsche ich mir, ich könnte einfach wieder weniger wissen, weniger verstehen, weniger mitbekommen. Ich gönne mir dann ein paar Tage Auszeit von der Welt, ohne Nachrichten, ohne Einkaufen, ohne Teilnahme am öffentlichen Leben, ohne Diskussionen. Nicht alle können sich diesen Luxus gewähren.

Nicht nur Lebensfreude ist ansteckend-Hoffnung auch und dank dir und deinem tollen Kommentar wächst die Hoffnung auch bei mir grad wieder, nachdem bei einigen Kommentaren vorher eher die Angst in mir gewachsen ist-DANKE dafür!

In den oft traurigen, aber sehr offenen Gedanken die hier geteilt wurden, habe ich viele meiner Gedanken wiedererkannt. Und auch Wut und Zynismus, die bei diesem Thema oft mitschwingen, kenne ich von mir. Wenn das geschieht, fange ich an das Kind in meinen Mitmenschen und mir selbst zu suchen, die Bedürfnisse die hinter den Gedanken und Aussagen stecken zu erkennen und wenn möglich darauf einzugehen. Oft ist es Angst, die hinter Handlungen und Aussagen steckt. Auch bei mir. Und wenn ein Mensch Angst hat, sollte man behutsam auf diese Angst eingehen und versuchen einen Weg (keinen Ausweg) aufzuzeigen, sich mit der Ursache für diese Angst auseinanderzusetzen.
Ich glaube, dass kann nur aus einer positiven Energie heraus funktionieren, genauso wie der Wille klimafreundlich zu Handeln nur aus einer intrinsischen Motivation heraus entstehen kann. Ich bin positiver Mensch, würde ich jetzt mal behaupten. Fakten und das große Ganze führt meist nur zu Ohnmacht (bei mir jedenfalls). Ich suche mir einen Teil aus, einen Bereich der mir wichtig ist (z.B. mein Viertel) und versuche innerhalb dieses Bereichs zu Wirken. Denn da kann ich die direkten Auswirkungen meines Handelns erfahren. Quasi im Kontrast zu den negativen Auswirkungen meines (Konsum)Handelns die ich nicht erlebe. Unser Handeln hat zwar nur minimalen direkten Einfluss, aber ich denke es findet trotzdem eine Wahrnehmung in der Gesellschaft statt. Und diese Wahrnehmung wächst.. langsam, aber sie wächst. Ich glaube diese Krise ist auch eine Chance!
Danke für diese Plattform und eure Gedanken. Es ist wichtig auch darüber zu reden, was die Auseinandersetzung mit dieser Krise bei uns auslöst. Nur wem es selbst psychisch gut geht kann einen Teil seiner Energie teilen, ohne sich dabei selbst zu schaden.

Du sprichst mir aus der Seele und hast das wunderbar auf den Punkt gebracht! Danke für diese tollen Worte 🙂 Das hat mir persönlich grade sehr gut getan zu lesen!

Ich greife die spontane Dynamik dieser Kommentarliste gerne auf, in der wir gemeinsam dieses Thema aufrollen und Schritt für Schritt zu möglichen Reaktionen und Konsequenzen gelangen möchten. Meine eigenen Empfindungen sowie Entwicklungen und Bewusstwerdung des Problems finde ich oben bereits gut wiedergegeben.
Ich möchte hier ein weiteres Rezept aus meiner Sicht beisteuern (Rezept nicht im Sinne einer Gesamtlösung, sondern als etwas, dass mir Handlungsfähigkeit verschafft, das mir gut „schmeckt“ und das ich bei Bedarf immer Mal hervorholen und umsetzen kann):
Genügsamkeit und Achtsamkeit attraktiv machen.
Auch wenn es mir sonderbar vorkommt, so etwas zu schreiben: Ulf Poschardt (WELT) hat hierzu neulich bei „Hart aber Fair“ in der Debatte mit Luisa Neubauer (Friday dir Future) etwas sehr wichtiges gesagt: Lösungen für nachhaltiges Leben müssen „Seele haben“ (bei ihm ging es um E-Autos – diese konkrete Diskussion möchte ich hier ausklammern). So sehr ich mir wünschen würde, dass die Menschheit (Achtung, Verallgemeinerung) sich ihre Lebensgrundlage nicht nur dann erhalten würde, wenn das „sexy“ oder „hipp“ ist, so sehr erkenne ich an, dass hier ein wichtiger Hebel existiert. Und wenn ich Wege suche, finde und mit anderen teile, mir ohne größeren Ressourcen Genuss im Leben zu verschaffen, ist das im günstigsten Fall ein Beitrag, entsprechende Verhaltenstrends zu setzen/zu fördern (besser als Kreuzfahrt-, Fernreise-, Fleisch-Grill- oder SUV-Trends). Im ungünstigen Fall eröffnet es mir und anderen Wege, in einer zunehmend von Einschränkungen und/oder Mangel geprägten Welt Genuss und Freude zu erleben und damit Energie und Motivation zu erhalten sowie Selbstwirksamkeit (und sei es zunächst nur bezogen auf das eigene Wohlbefinden) zu erleben.
In diesem Sinne verstehe ich z.B. die von mir und einigen weiteren Menschen ins Leben gerufene und stetig entwickelte #Schokofahrt – und ich freue mich, wenn ich hier weitere Inspirationen in diesem und auch anderem (d.h. nicht genussorientierten) Sinne zu erhalten.

Zuletzt, nicht zu vergessen: Danke, Jan, für das Anstoßen dieses Austauschs und Euch allen für das Teilen Eurer Gefühle, Gedanken, Erlebnisse, Wünsche & Ideen!

Einige der Kommetare auf dieser Website habe ich schon gelesen und ich bin froh, dass ich endlich von Menschen lesen kann, denen es ähnlich oder genauso geht wie mir. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich mich jetzt gerade im Urlaub befinde und Zeit habe, meiner Angst Raum zu geben. Im Alltag habe ich diesen Luxus oft nicht. Da kapsele ich mich lieber so weit wie möglich von den panischen Gedanken ab, da sie mich teilweise so sehr belasten, dass ich mental und körperlich gelähmt bin. So nutzt meine Angst weder mir selbst, noch anderen. Ich habe Hochachtung vor den Menschen, von denen einige hier auch Kommentare geschrieben haben, die aus ihrer Angst heraus aktiv werden und auch unbequeme Entscheidungen für sich selbst treffen. Die Angst kann ein wunderbarer Motor sein, um positive Veränderungen in der Gesellschaft zumindest anzustoßen. Dabei darf sie aber nicht Überhand nehmen und lähmend wirken. Mich würde daher interessieren, wie man diese Balance herstellt. Es tut mir nicht gut, Schuldgefühle zu haben, weil ich mich mehr engagieren könnte. Doch es wäre auch ineffektiv, wenn ich versuchen würde, mich so viel zu engagieren, dass ich vor Angst meinen Alltag nicht mehr bewältigen kann.
Außerdem interessieren mich auch Diskussionen zum Thema Fortpflanzung: Ist es moralisch noch vertretbar, Kinder zu bekommen? Werde ich mit der existenziellen Angst um das Leben meiner potenziellen Kinder umgehen können? Und wie gehe ich damit um, wenn mein Partner in der Hinsicht eine andere Meinung vertritt als ich?

Wann oder wie genau alles bei mir angefangen hat weiß ich gar nicht mehr. Ich weiß nur das ich viele Bereiche meines Lebens durch die Beschäftigung mit dem Klimawandel verändert habe. Ich lebe vegetarisch, fahre nur Fahrrad und Bahn, fliege aus Prinzip nicht, vermeide Plastik so gut es geht, und bin immer wieder auf Demonstrationen oder bei anderen politischen Demonstrationen dabei. Ich habe nicht das Gefühl auf etwas zu verzichten, sondern fühle mich tatsächlich eher befreit. Ich habe viel Freude daran mit dem Rad unterwegs zu sein, und schon so manche Ecke in meiner Stadt entdeckt die mir sonst wohl verborgen geblieben wäre. Zeit in der Bahn ist im Alltag zu einem festen Bestandteil geworden, indem ich für mich selbst sein kann, meinen Gedanken nachgehe oder ein Buch lese. Ob ich im Urlaub im Atlantik oder der Ostsee bade macht für mich keinen Unterschied, das Wasser ist genauso nass.

Schwierig sind für mich aber meine sozialen Kontakte. Wie sehr das Thema mein Leben und Denken schon durchdringt merke ich immer dann wenn ich mit Freunden, Kollegen oder Familie Zeit verbringe. Bis auf einige wenige Ausnahmen gibt es kaum ein Gesprächsthema aus dem Alltag bei dem ich keine Bezüge zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz sehe. Anfangs war ich noch seher naiv und bin sehr offensiv, ja fast schon missionarisch in den Gesprächen gewesen. Bewirkt hat das nicht viel. Im besten Fall wurde ich als Öko-Spinner belächelt im Extremfall habe ich dadurch den Kontakt zu einem Teil meiner Familie verloren. Ich habe dann begonnen vorsichtiger zu sein, mich mehr zurück zu halten, was leider dazu geführt hat das ich in geselliger Runde oft als abwesend wahrgenommen werde und ich die Gespräche selbst als belanglos empfinde. Wie soll ich mich über den tollen Urlaub meiner Freunde freuen, die mit ihren Kindern um die Welt fliegen, wenn es genau dieses Verhalten ist das ihren Kindern die Zukunft nimmt? Warum in Gespräche über Mode- oder Technik-Trends einsteigen, wenn Nachhaltigkeit nicht mitgedacht wird?
Selbst in meiner Partnerschaft gab es schon heftige Streits weil ich nicht bereit bin Auto zu fahren oder in ein Flugzeug zu steigen. Aktuell ist das Thema Kinder bei uns ganz groß und ich weiß nicht wie ich meiner Partnerin erklären soll das ich mit ihr zwar liebend gerne Kinder haben würde, es meinen Kindern aber nicht antun möchte in dieser Welt groß zu werden. Ich habe ehrlich gesagt schreckliche Angst das meine Beziehung daran zerbrechen könnte.

Manchmal fühle ich mich sehr hilflos, weil ich denke das privates Handeln, demonstrieren und Unterschriftenaktionen nur der Anfang sein können, und ich nicht weiß wie ich weiter aktiv sein könnte. Auf diese Hilflosigkeit folgt dann oft das Gefühl einer großen Wut. Wut über den Egoismus der Anderen, Wut darüber nicht gehört zu werden. In solchen Momenten hilft es mir z.B. wenn ich meditiere, ich ein wenig Eskapismus betreibe oder ich mich mit Gleichgesinnten unterhalte.
Deshalb an dieser Stelle Danke an Jan und Euch allen für diesen Austausch, eure Gedanken und eure Ehrlichkeit!

Als jemand, der über Energiespeicher geforscht und wissenschaftlich gearbeitet hat und nun als selbstständiger Energieberater ist mir das Thema Klimawandel alltäglich präsent.
Ähnlich wie du schreibst, habe ich aber doch lange geglaubt, dass „wir“ dieses Thema schon noch lösen würden, zu Mal die Zeithorizonte ja immer so weit gewählt werden (was wir Menschen ja gar nicht können). Also Hoffnung gehabt, und nach und nach (und ohne es zu merken) verloren.
Meine eigenen kleinen Verbesserungen habe ich längst umgesetzt: wenig bis kein Fliegen, wenig bis kein Fleisch, Ökostrom, Zuhause alle Standbys gekillt, Konsument bin ich eh nicht … In meiner kleinen feinen Bubble sind alle eher noch viel veganer und zero-waster als ich.
Während ich das hier schreibe, und da in den letzten Tagen ein Youtuber mal eben das politische Deutschland durchgerüttelt hat, merke ich immer stärker, wie sehr ich innerlich alle Hoffnung auf echte Verbesserung aufgegeben und eigentlich innerlich nur noch Escape Strategien für mich und meine Familie sammle. Meine Frau und ich haben uns nämlich bewusst entschieden, trotzdem ein Kind zu bekommen. Weil: mehr Möglichkeit, einen guten Menschen in die Welt zu setzen gibt es nicht.
Durch deine Seite keimt Hoffnung auf, dass wir – in Gemeinschaft – doch noch was tun können.
Die Last, keine Hoffnung zu haben fällt in den letzten Tagen etwas von mir ab. Ich bin sehr gespannt, was hier noch kommt.
Für mich selbst habe ich in den letzten Tagen den Beschluss gefasst, auch ein „Projekt“ daraus zu machen. Ich will die Menschen mit meinem Wissen näher an Natur und Nachhaltigkeit bringen. Und das möglichst direkt im Lebensumfeld der Menschen und mit absolut umsetzbaren konkreten Vorschlägen. Für mich selbst halte ich viele Dinge für solche Selbstverständlichkeiten, aber vielleicht sind es ja auch keine. Also, danke und bis bald!

Hallo Jan,

als ich gestern den Newsletter des Guten Verlags gelesen habe und von deinem neuen Projekt erfahren habe, war ich total begeistert, da ich dachte-oh toll, endlich hat einer diesen Zusammenhang als Thema aufgegriffen, denn ich spüre seit einiger Zeit große Ängste, wo das alles hinführen und ggf. enden soll und wird.
Als ich gestern dann aber den Email Link zur Bestätigung des Newsletters bestätigt habe und die ersten Kommentare dieser Seite gelesen habe, ist mir eine Sache aufgefallen, und zwar, dass es mir plötzlich viel schlechter ging als vorher!
Vielleicht bin ich mit falschen Erwartungen an die Sache gegangen, denn natürlich ist es nachvollziehbar erstmal gewisse Leitfragen in den Raum zu stellen-schließlich muss man sich der ganzen Thematik ja auch erstmal irgendwie annähern.
Wenn man allerdings gefühlt fast ausschließlich von Personen liest, die die Hoffnung final aufgegeben haben und deswegen auch keine Familie gründen wollen, da gefühlt in 30 Jahren sowieso der Weltuntergang bevorsteht, dann löst das eine viel größere Angst aus.
Nicht dass das falsch verstanden wird-ich möchte weder die Augen verschließen von den allzu offensichtlichen Fakten, die eine große Bedrohung darstellen, noch möchte ich irgendwen dafür verurteilen, dass er es nicht verantworten kann, Kinder zu bekommen, weil er nicht weiß, was diese Welt dann noch offenbaren wird.
Aber ich bin bereits Mutter-mein Großer kommt im August in die Schule und Nr. 2 wird Ende August das Licht der Welt erblicken-und ich möchte daran glauben, dass trotz der vielen Dinge, die falsch laufen in der Welt mit den falschen Menschen in den mächtigen Positionen, die Menschheit zwar das Problem ist und die Ursache des Klimawandels, aber wir sind auch die Lösung! Und auch die einzige Chance, die unser fantastischer Planet noch hat-auch wenn zu viele zu lange gedacht haben, die Auswirkungen werden nur künstlich aufgebauscht und alles „ist nur halb so schlimm“.
Und auch wenn es Opfer gibt und weitere Folgen werden, so glaube ich trotzdem, dass durch die Bewegung, die nun entsteht die Chance besteht, die Opferzahlen zu minimieren und alles dafür zu tun, seinen ökologischen Fingerabdruck so grün wie möglich zu gestalten und genau das auch an die nächsten Generationen weiterzugeben!
Das mag naiv klingen, aber was für eine Mutter wäre ich, wenn ich das meinen Kindern nicht vorlebe!? Mein Sohn weiß mit seinen 6 Jahren schon verdammt viel über die Wichtigkeit des Umweltschutzes, den Beitrag jedes Einzelnen und die Achtsamkeit gegenüber der Umwelt und den Lebewesen und darauf bin ich verdammt stolz und da sympathisiere ich sehr mit Konrad, der sagt:“Meine Frau und ich haben uns nämlich bewusst entschieden, trotzdem ein Kind zu bekommen. Weil: mehr Möglichkeit, einen guten Menschen in die Welt zu setzen gibt es nicht!“
Fakt ist: alle möglichen Endzeit-Szenarien sind furchtbar und hoffentlich aussagekräftig genug, damit nun immer mehr Veränderung stattfinden wird-man selbst kann nur als gutes und wachrüttelndes Beispiel vorangehen für die eigenen Kinder und das eigene Umwelt und viele tun dies mühsam auch darüber hinaus, durch ihr Engagement in Projekten, Demos etc.
Fakt ist aber auch: es sind die Erfahrungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen!!! Ein Leben ohne meine Kinder, Familie und Freunde wäre für mich die eigentliche Tragödie und unvorstellbar! Und das ist das was zählt und wofür es sich lohnt und immer lohnen sollte zu kämpfen und die Hoffnung am Leben zu erhalten, egal, wie aussichtslos manche Schlacht zu sein scheint!
CARPE DIEM gilt für mich mehr als zuvor, denn ich will nicht in permanenter Angst leben, stattdessen fokussiere ich mich und schätze das, was ich habe-nicht die materiellen Dinge, sondern die unbezahlbaren und wertvollen Menschen in meinem Umfeld-ohne sie ist alles nichts!
Von daher hoffe ich, dass dein Projekt in eine Richtung gehen wird, die genau diesen Kampfgeist als Kompass nutzen wird und mit der Kraft von vielen-die sich ja alleine in dieser kurzen Zeit hier schon gemeldet haben- Energie bündelt! Die junge Generation hat schon vieles begriffen und setzt sich ein und diesen Einsatz wünsche ich mir auch-weg von dem passiven Gefühl, der Angst, Mutlosigkeit und Wut über die Idioten, sondern hin zu gezieltem Aktionismus, zur Verbundenheit und dem absoluten Willen, konkrete und umsetzbare Maßnahmen zu versprühen und nicht aufzugeben!
Ich klinge wie ein verkappter Hippie, aber unter diesem Aspekt, finde ich das nicht das Schlechteste.
Ich bin gespannt, wie es mit deinem Projekt weitergeht und wünsche dir und letztendlich uns viel Erfolg, denn das Ziel ist denk ich klar..

„Stell dir vor die Zukunft wird wunderbar- und du bist schuld!“ (Für die weniger Emotionalen unter uns, die rationaler ticken als ich: ersetze „wunderbar“ durch „erlebbar“..)

Was für ein toller Beitrag! Mit dem ich so sehr übereinstimme, dass ich am liebsten wüsste, was du sonst so tust. 🙂 Wie du deine Gedanken und Worte lebst. Alles Liebe für dich und Danke für diese bedeutungsvollen Worte!

Schon als Kind war Mülltrennung bei uns zu Hause sehr großgeschrieben. Mein Vater arbeitete damals, sowie auch heute noch, in einer Papierfabrik. Es gab und gibt in unserem Elternhaus gefühlt mindestens 10 verschiedene Kisten zum Müll-Trennen in einem speziell dafür errichteten kleinen Müllhäuschen. Zudem lebt mein Vater sehr energiesparend. Ich höre es noch in meinen (Kinder-)Ohren: Tür zumachen, Licht ausschalten, Wasser abdrehen! Aber auch was die Art der Heizung, Dämmung unseres Hauses usw. betrifft. Es wurde mir also Gott sei Dank eingeimpft, sparsam mit unseren Ressourcen umzugehen. Natürlich ist mir klar, dass ich auf der anderen Seite auch immer wieder mal etwas mache, dass der Umwelt schadet, wie z.B. eine Avocado zu kaufen oder eine Online-Bestellung tätigen. Dennoch mache ich mir sehr oft Gedanken zum Klimawandel und ja, auch ich bin besorgt. Ich denke, dass es in so manchen, nicht unbedingt wenigen, Bereichen vielen Menschen gar nicht bewusst ist, dass sie der Umwelt mit ihrem (Kauf-)Verhalten schaden. Oder es ist ihnen egal. Ich bin besorgt, wenn ich sehe, dass Menschen überhaupt kein Bewusstsein dafür haben, Ressourcen zu schonen und auf unsere Umwelt Acht zu geben. Oder noch schlimmer, wenn es ihnen bewusst, aber egal ist.

Mit der Aussage „Alleine kann ich nichts bewirken“ kann ich nicht sehr viel anfangen. Das widerspricht komplett meiner Einstellung. Denn würden wir alle so denken, klar, dann wird sich nichts bewegen. Doch würden wir alle an das Gegenteil glauben, also „Ich allein kann etwas bewirken“, auch wenn es nur im Kleinen ist, dann könnten wir doch alle gemeinsam wiederum Größeres bewirken. Oder nicht? Ich habe diese Hoffnung! Auch wenn ich sie zwischendurch immer wieder mal kurz verliere oder anzweifle, schlussendlich hab ich sie wieder und halte an ihr fest. Wenn jeder Mensch nur einen anderen Menschen dazu bringen könnte, umweltschonender zu leben, dann würde sich doch etwas bewegen. Und wenn ich nur einen einzigen Menschen dazu bringen kann, seinen Müll nicht auf die Straße zu werfen, dann lebt meine Hoffnung auf. Vielleicht bin ich für manche zu viel Optimistin oder Idealistin… Ich möchte auch niemanden belehren – mit erhobenem Zeigefinger…oder doch? Wichtig ist mir auf jeden Fall Bewusstsein für so manches Verhalten und für unsere derzeitige Situation zu schaffen (denn sie geht uns alle an!!!), was ich nicht nur im Privaten, sondern Gott sei Dank auch in meiner Arbeit als Sozialarbeiterin einbringen kann. Außerdem finde ich, dass das Thema Klimawandel viel mehr und früher in Bildungsinstitutionen aufgegriffen werden soll. Und aber auch Teil der Erziehung ist. Selbst mit den ganz Kleinen ist es möglich, über die Umwelt, die Bienen, Müll usw. zu sprechen, wenn man es sehr minimalistisch, grob und auch spielerisch angeht. Und ja, ich weiß, die großen Verursacher der Klimakrise sind Konzerne, Entscheidungen von Politiker*innen, Flugverkehr usw. Doch ich spreche mal nur von der Gesellschaft, vom Alltag…

Und trotz dieser bereits angesprochenen Hoffnung auf eine zukünftig „gesündere“ Mutter Erde, fühle ich mich auch immer wieder hilflos und werde wütend, wenn ich an den Klimawandel und unsere Zukunft denke….oder eben daran, wie rücksichtlos sich viele Menschen, Konzerne und Regierungen verhalten. Es hilft mir, mit Menschen darüber zu sprechen, die der gleichen Meinung sind wie ich und ähnlich fühlen. So wie hier in diesem Forum! Es hilft mir auch, mal ein paar Tage Abstand zu den Themen Klimawandel, Nachhaltigkeit, Heizen usw. zu halten, in dem ich keine Artikel lese oder mit niemandem darüber sprechen, solange es nicht wirklich sein muss. Ich frage mich oft, ob ich zu wenig Gutes für die Umwelt mache, oder zu viel Schädliches. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich Dinge mache, bei denen ich genau weiß, dass sie nicht dazu beitragen, die Umwelt zu schützen, wie z.B. Fliegen. Außerdem stellt sich auch für mich die Frage, ob es denn nicht einfach nur egoistisch wäre, ein Kind in diese Welt zu setzen.

Was mir dazu auch noch einfällt ist, dass in vielen Ländern Wissen über den Klimawandel, Mülltrennung, Nachhaltigkeit usw. fehlt – also so richtig, so noch mehr als bei uns. Mein Partner kommt aus Westafrika aus einem armen Land – anfangs dachte ich ja: Ach, der kommt aus dem Busch (omg, wie ich damals dachte, ist 10 Jahre her), der lebt sicher voll naturverbunden, ressourcenschonend und ökologisch. Ähm nein, da gab es vieeel Gesprächsstoff. und gibt es auch immer wieder mal. Ein Mülltrennungssystem fehlt ja bekanntlich in vielen Ländern nicht, oder Mülltrennungsfirmen, weder privat noch staatlich. Es fehlt an Bildung und somit auch leider häufig an Wissen und Bewusstsein in Bezug auf klimaschonendes oder -schädigendes Verhalten. Da denke ich auch gleich an das Palmöl… Naja, wenn man existenzielle Probleme hat, dann sind einem diese Themen wahrscheinlich nicht so wichtig. Doch ist der Klimawandel nicht auch ein existenzielles Problem? Eine Gefährdung unserer Existenz, unserer Zukunft? Es ist mein Traum, im Land meines Partners eine Aufklärungskampagne zu starten. In Bezug auf Müll (Müllverwertung, -trennung und -entsorgung) und Sexualkunde. Das sind zwei Themen, die mir sehr am Herzen liegen!

Danke an Jan für diesen Blog. Und danke an euch alle, die ihn beleben und hier Kommentare hinterlassen. Manche Statements lösen bei mir Sorgen aus – doch einige auch Hoffnung. Mein Fazit für mich lautet: Es ist ein Wechselspiel zwischen Sorgen und Hoffnung! Ich hoffe, dass ich die Hoffnung nie verliere und sie irgendwann ablegen darf, weil es keine oder zumindest weniger Sorgen im Hinblick auf den Klimawandel gibt. Eine Utopie?!

Ich bin eben auf diesen Artikel gestossen (sehr interessant): https://scroll.in/pulse/921558/if-the-land-is-sick-you-are-sick-an-aboriginal-approach-to-mental-health-in-times-of-drought?fbclid=IwAR1kBrkeznh3SP-PO38rhkq6jDABXu0Ji769X6iuz2iorzjnS1u5lIqS24E
Vielleicht können wir eine Sammlung mit interessanten, hilfreichen links machen?

Liebe Grüße

Ein Auszug: „“If the land is sick, you are sick,” says Fiona Livingstone, who manages a suicide prevention programme at the University of Newcastle’s Centre for Rural and Remote Mental Health.

She explains that the traditional Aboriginal concept of health is much broader than that of conventional Western medicine. Aboriginal people, she says, are deeply connected to “country”, the place with which they have spiritual ties. The personal, social and ecological are closely interconnected: “health” is the state in which they are all in balance.

Prolonged drought affects Aboriginal communities in farming regions economically, because it leads to a lack of work. There’s also grief at the loss of nature from the deaths of wild animals and plants. These experiences of not being able to take care of the land during long periods of drought increase stress, leading to an increase in antisocial and risk-taking behaviour such as drug dependence and drinking. People begin to “mistrust each other, gossip maliciously and turn against each other,” say the authors of one report. Droughts can have the effect of “exacerbating underlying grief and trauma”.“

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